Zürcher Oberländer Newspaper: Persian Rock from Swiss Idyll

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Persischer Rock aus Pfäffiker Idylle
Anderas Leisi: Wie sieht ein Rocker aus dem Iran aus? Sicher nicht so wie der junge, gepflegte Mann, der aufgeräumt und in sehr gutem Deutsch in seiner Pfäffiker Wohnung mit Blick auf den See Red und Antwort steht. Denkt man. Tatsächlich ist Farzad Alipur ein Rockmusiker aus Teheran, er hat sein Heimatland vor sieben Jahren verlassen. «Ich liebe den Iran. Doch an einem Ort, wo das Kulturamt bestimmt, wer Musik machen darf, hätte ich als Künstler keine Zukunft gehabt.» Insbesondere Rockmusik würde generell als westlich und böse kategorisiert, Gleiches gelte für sozialkritische Texte. «Nur als Schlagersänger hat man im Iran ein schönes Künstlerleben», so der Musiker.Bereits als 15-Jähriger wollte er weg, so Alipur. Was folgte, waren sieben Jahre voller Befragungen auf dem Amt. «Iran ist nicht das Land von tausend- undeiner Nacht, sondern dasjenige der tausendundeiner Frage.» Mithilfe eines Schweizer Anwalts schaffte er schliesslich den Absprung, lebte in Basel, musste Zürich wegen dem teuren Wohnraum verlassen und lebt heute im idyllischen Pfäffikon. Er hat eine Bewilligung B, arbeitet als Programmierer und Designer und hat vor drei Monaten das Album «Persrock» auf CD eingespielt.
 
 
Der Iraner Farzad Alipur verliess sein Land wegen der Zensur. Vom Pfäffikersee aus schickt er seine kritische Musik in den Untergrund von Teheran.
 
Iranischen Zeitgeist getroffen
Das Werk komme vor allem im kulturellen Untergrund der iranischen Hauptstadt Teheran sehr gut an, sagt Alipur. Über 500000 Downloads, gute Charts-Platzierungen in europäischen Internetforen, 7000 Follower auf Facebook – die Reaktionen sind vielversprechend. «Die Idee, europäische Rockmusik mit orientalischen Texten zu kombinieren, ist nicht neu. Anscheinend habe ich mit meiner Variante den Zeitgeist getroffen», so der Musiker.

 
Alipur hat jedoch qualitativ nichts dem Zufall überlassen und den bekannten iranischen Autor und Texter Yaghma Golrouee engagiert. «Er hat die persische Sprache, die voller poetischer Umschreibungen ist, perfekt meiner Musik angepasst. Die Zusammenarbeit per Skype war jedoch nicht immer einfach, weil Yaghma Golrouee noch im Iran lebt und dort mit einem Arbeitsverbot belegt ist.»
 
 
Konzert in Teheran als Traum
Das passende Musikvideo zum neuen Album hat Alipur mit Musikerfreunden auf dem Fischersteg beim Tennisplatz am Pfäffikersee gedreht. «Der Grund liegt darin, dass ich einen wichtigen Song am Pfäffikersee erdacht habe.» Bei der Umsetzung musste der Musiker jedoch auch mit dem Schweizer Amtsschimmel kämpfen. Er habe bei der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung anfragen müssen. «Dort gab man mir eine grundsätzliche Bewilligung für einen halben Tag», so der Musiker. «Wenn jedoch ein Fischer gekommen wäre, hätten wir abbrechen müssen.» Glücklicherweise war das nicht nötig. Das Video konnte störungsfrei gedreht werden.
 
 
«Persrock» sieht Alipur, der beinahe alle Instrumentalspuren selbst eingespielt hat, vorerst als Projekt, dessen Zukunft noch unklar ist. «Im Moment ist es erst eine Idee, die anscheinend gut ankommt. Vielleicht suche ich mir eine professionelle Band für Konzerte, vielleicht produziere ich mehr Material in dieser Richtung.» Einen konkreten Traum hat Alipur jedoch: «Wenn ich es schaffe, mit dieser Musik in Teheran ein Konzert zu geben, dann hat sich die Welt verändert.»
 
 
Kraftvoller Persrock
Das Album «Persrock» von Farzad Alipur besticht mit neun professionell abgemischten Songs. Der Rock im strengen Viervierteltakt mit normaler Bassbegleitung ist dabei die Basis. Die verschiedenen Gitarren ergehen sich oft in Powerchords, Solis werden selten eingesetzt. Die Stilart ist hauptsächlich Pop-Rock mit einzelnen härteren Rockstücken und zwei Balladen.
 
Der Gesang ist typisch orientalisch, sehr harmonisch und oft schwelgerisch. Da die Texte mit einer Ausnahme (Englisch) auf Persisch gesungen werden und mit ihrem sozialkritischen Inhalt wichtiger Bestandteil des künstlerischen Produkts sind, muss die englische Übersetzung zur Hand genommen werden (teilweise auf der Website aufgelistet). Diese kann jedoch die poetische Kraft der originalen Lyrics nicht umfassend transportieren, weshalb sie oft simpel und etwas hohl daherkommt.(lei)
Anderas Leisi
Zürcher Oberländer
Switzerland
 
 
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Zürcher Oberländer Newspaper: Persian Rock from Swiss Idyll – an article about farzad alipur (German)
Persian Rock from Swiss Idyll… is the Zürcher Oberländer headline that appeared a few days ago in Switzerland.